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Workshops Fototechnik

Foto, Video und Technik

Konzertfotografie
Fotografieren auf Konzerten
Konzertfotografie

Nikon D4, 70-200 mm Nikkor, F4, 1/200


Konzertfotografie

Nikon D4, 70-200 mm Nikkor, F4, 1/200


Konzertfotografie

Nikon D4, 70-200 mm Nikkor, F4, 1/200


Konzertfotografie

Nikon D4, 70-200 mm Nikkor, F4, 1/200


Professionelle Fotos von Konzerten zu machen, ist eine der anspruchsvollen Aufgaben in der Fotografie. Jeder hat das schonmal mit dem Handy versucht und während das auf dem Display sogar manchmal ganz gut aussieht, halten diese Fotos und Videos einer näheren Betrachtung am großen Bildschirm meist nicht stand. Oft sind die Bilder verwackelt, falsch belichtet und zu klein. Was also muss man unternehmen, um unter diesen Bedingungen hochwertige Bilder zu produzieren.

Beginnen wir mit den Grundvoraussetzungen:

  • Wir benötigen offensichtlich eine hochwertige Kamera und somit eine Genehmigung diese mit in die Veranstaltung nehmen zu dürfen. Das ist bei größeren Gigs wie z.B. hier bei BAP schwierig bis unmöglich. Meistens dürfen nur akreditierte Fotografen rein. Bei kleineren Konzerten, z.B. bei Coverbands, ist das aber kein Problem. Eine gute Gelegenheit zum üben also.


  • Lange Brennweiten um den Künstler vollformatig ins Bild setzen zu können. Oft ist es nämlich so, dass man gar nicht nah an die Bühne herankommt weil sich viele Künstler dadurch gestört fühlen. Im Angesicht eines großen Publikums ist das auch nachvollziehbar.


  • Eine kurze Belichtungszeit die sich mit der gewählten Brennweite verträgt. Wir müssen ja zum einen die Bewegung der Kamera ausgleichen die unweigerlich auftritt wenn man ohne Stativ fotografiert, zum anderen die Bewegung der Künstler auf der Bühne.


  • Wir müssen in der Lage sein große Belichtungsunterschiede sehr schnell und zuverlässig auszugleichen. Die Bandbreite der möglichen Lichtsituationen bei Konzerten reicht von Stockdunkel bis gleißend Hell, je nach Größe und Umfang der eingesetzten Lichtshow.


  • Wir müssen sehr schnell sein denn meistens hat man nur die ersten 3 Musikstücke oder vieleicht 10 Minuten Zeit um seine Aufnahmen zu machen. Danach wird man von der Crew hinausgebeten was eine möglich Frage nach der Verwendnung eines Statives beantwortet.


  • Wir sollten vorher wissen welche Bilder entstehen sollen damit nicht wertvolle Zeit mit der Suche nach möglichen Motiven vergeht. Dazu sollten man den bzw. die Künstler kennen, wissen wer der Star ist und welche Bilder somit erwartet werden. Auch hilft oft ein kurzer Smalltalk mit den Technikern. Die kennen die Show ganz genau und so frage ich eigentlich immer vorher nach dem Ablauf.


Es ist ratsam frühzeitig in der Halle zu sein und sich einen Überblick zu verschaffen. Wo hängt welches Licht? Wie werden die Künstler beleuchtet? Wenn während der Show nur die Bühne beleuchtet ist, sitzt das Publikum komplett im Dunkeln. Gibt es vieleicht Scheinwerfer die in das Publikum leuchten(siehe Panoramabild), bietet sich uns eine Chance für eine Übersichtsaufnahme mit Publikum und Bühne. Da sind zum einen die berühmten Fluter die in der Regel eingeschaltet werden wenn die Künstler eine Reaktion des Publikums erwarten. Aber auch bewegliche Scheinwefer, im hinteren Teil der Bühne angebracht, die manchmal das Publikum flüchtig durchstreifen. Das ist unser Moment für eine Übersichtsaufnahme mit Bühne und Publikum. Je nach Standort leuchten diese Scheinwerfer aber auch voll in die Kamera und führen unweigerlich zu Überbelichtungen und anderen Effekten. Das gehört aber unbedingt zu eine solchen Fotoserie dazu und so heißt es draufhalten und später aussuchen.

Um diese komplexe Aufgabenstellung zu lösen gibt es eine ganze Reihe von Vorgegensweisen. Meine sieht folgendermassen aus.

Ich kläre als erstes die Bedingungen mit den Verantwortlichen. Wie nah darf ich an die Bühne, wie lange fotografieren? Dann gehe ich in die Halle und schaue mir die Bühne an, versuche zu erahnen was da wohl passiert und stelle mich darauf ein. Hier hilft Erfahrung und Kenntnisse im Bereich der Bühnentechnik. Wenn möglich spreche ich mit den Technikern und komponiere jetzt schon im Hinterkopf meine Bilder. In der Regel bracht man einige gute Nahaufnahmen der massgeblichen Künstler, ich fotografiere aber auch alle anderen Musiker. Wer weiss wozu dass irgendwann mal gut ist. Sind alle Bandmitglieder gleichberchtigt, ist das sowieso Pflicht. Wenn das erlaubt ist gehe ich danach zu möglichen Fotostandorten und schaue ob irgedwas im Weg ist und vor allem welche Objektivbrennweiten geeignet sind.

Ich verwende eine Nikon D800E für die Weitwinkelaufnahmen und wenn ich nah genug an die Bühne komme. Die Kamera hat eine hohe Auflösung von 36 MP, ist dadurch aber auch relativ langsam. Für diese Aufgabe ist Sie aber sehr gut geeignet. Je nach Aufnahmebedingungen verwende ich ein 14 - 24 mm oder ein 24 - 70 mm Zoomobjektiv, oft auch beides. Für die Nahaufnahmen verwende ich eine Nikon D4. Die Kamera ist mit 11 Bilder pro Sekunde rasend schnell und so besonders für Actionfotos geeignet. An der D4 verwende ich oft ein 70 - 200 mm Zoomobjektiv, machmal sogar mit einem zweifach Telekonverter. Ich schalte an diesem Objektiv die VR Funktione(vibration reduction) ein. Ich rate dringend dazu Konzertaufnahmen im RAW Format zu machen. Nur so erhalte ich mir die volle Flexibilität bei der Nachbearbeitung. Die Belichtung führe ich manuell aus und stelle so sicher, das die Bilder nicht zu dunkel werden wenn z.B. ein Scheinwerfer direkt in die Kamera leuchtet und eine Belichtungsautomatik unweigerlich nachregeln würde. Ich habe auch schon mit der ISO Automatik gearbeitet, war aber nicht zufrieden mit den Ergebnissen. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall die Belichtungsbasis korrigieren, etwa um + eine Blende. An der D800 verwende ich eine Belichtungszeit von 1/80 Sekunde, kurz genug um nicht Gefahr zu laufen die Aufnahmen zu verwackeln. Den Isowert stelle ich auf 1600-3200. Die Blende wähle ich mit 4 bzw.5.6 so, dass ich bei Brennweiten zwichen 14 und 70 mm eine ausreichend große Schärfentiefe erreiche. An der D4 verwende ich eine Belichtungszeit von mindestens einer 200stel Sekunde. Zusammen mit der VR Fuktion werden damit die Bilder auch bei 200 mm Brennweite noch scharf. Hier verwende ich Blende 4, das sichert mir die gewünsche selektive Schärfe. Bei den Isoeinstellungen verwende ich bis zu 3200. Mit einer D4 und der D 800E im RAW Format kein Problem. Beide Kameras sind groß und schwer, ein Vorteil wenn man aus der Hand scharfe Bilder machen muss.

Unmittelbar vor der Show wird natürlich das Saallicht ausgeschaltet und erst jetzt ist es möglich zu beurteilen wie hell bzw. dunkel die Bilder sind.Es gilt nun so schnell wie möglich die ISO Einstellungen nachzujustieren. Da zahlt es sich aus wenn man die grundlegenden Settings bereits vorher eingestellt hat. Immer wieder kontrolliere ich zwischendurch die Belichtung und mache ISO Varianten der jeweiligen Aufnahmen. Dazu regele ich die Isoeinstellung oder verkürze die Belichtungszeit. Letztere auf keinen Fall verlängern um Verwacklungsunschärfen zu vermeiden. Ist das Bild zu dunkel sollte man stattdessen den ISO Wert hochregeln. Zur Beurteilung der Belichtung verwende ich das Histogramm der Kamera. Die Bilder auf dem Kameramonitor sind dazu nicht geeignet. Das größte Problem bei diesen Aufnahmen ist das Gesicht des Künstlers. Der steht meistens voll im Scheinwerferlicht, wird manchmal sogar noch von mächtigen Suchscheinwerfern angestrahlt und so ist es extrem wichtig den Kopf nicht zu hell werden zu lassen. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch etwas von der Atmosphäre der Bühne wiedergeben und so darf ich nicht mit der Spotmessung auf den hellen Kopf belichten. Das Ambiente würde unweigerlich zu dunkel, die Aufnahme in diesem ISO Grenzbereich der Kamera verrauscht.

Eine weitere Herausforderung ist die Einstellung der Schärfe. Da es aufgrund der zeitweiligen Dunkelheit unmöglich ist diese manuell nachzuführen, verwende ich den Autofocus. Allerdings sozusagen im manuellen Modus. Zunächst entferne ich die Autofokus Funktion vom Kameraauslöser. Damit ist sichergestellt das der Fokus nicht nachgeführt wird wenn ich den Auslöser betätige. Stattdessen focusiere ich über die an der Rückseite der Kamera zu findene AF Funktionstaste. Immer wenn ich da draufdrücke focusiert die Kamera. Unabhängig davon kann ich auslösen. Nun wähle ich ein einzelnes Autofocus Messfeld und die Funktion "single autofocus" aus. Dieses Messfeld richte ich auf meinen gewünschten Schärfepunkt und betätige die AF-Funktionstaste. Danach wähle ich den gewünschten Bildausschnitt und löse aus. Das muss natürlich schnell gehen und erfordert äußerste Konzentration, Erfahrung und Übung.

Im nächsten Blogbeitrag erkläre ich wie die Bilder in Adobe Photoshop Lightroom bearbeitet werden. Dabei wird deutlich werden, wie hell man ein RAW-Bild belichten kann ohne das man Zeichnung verliert. Es lohnt sich also hier immer mal wieder vorbeizuschauen bzw. sich in den Newsletter einzutragen.



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